Schwimmschulter
Einleitung

Sportverletzungen, die zu einem chronischen Krankheitsbild führen können, stellen für jeden Leistungssportler eine besondere Problematik dar. Dazu gehört auch die Symptomatik des Schulter-Impingement-Syndroms, das besondere Beachtung im schwimmsportlichen Bereich findet, da es aufgrund der hier auftretenden Häufigkeit dieses Verletzungsbildes zu einer eigenen Namensgebung, zur "Schwimmerschulter", geführt hat. Das Schulter-Impingement-Syndrom oder die "Schwimmerschulter" ist die häufigste Verletzungsbeschwerde, die von Schwimmern angegeben wird. Nach KOEHLER/THORSON (1997) sind Schulterschmerzen, die durch ein Impingement des subacromialen Gewebes verursacht werden, eine allgemein bekannte "Überlastungsverletzung" im Schwimmsport, vor allem unter jugendlichen Leistungsschwimmern, die hohe Trainingsumfänge im Training absolvieren. Die Autoren stellen fest, dass bei 9 bis 35% der Leistungsschwim-mer zum Zeitpunkt der Befragung ein störend einwirkender Schulterschmerz vorhanden ist, wohingegen 38 bis 75% der Leistungsschwimmer zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrer Laufbahn Schulterschmerzengehabt haben. Diese Prozentangaben stimmen mit denen anderer Autoren nahezu überein, wobei anzumerken bleibt, dass zwischen momentanen Schulterschmerzen und Schmerzen, die irgendwann einmal im Laufe einer Karriere aufgetreten sind, unterschieden werden muss. Auf diesen Umstand weisen auch McMASTER et al. (1989) hin, als die breite Streuung von 3 bis 80% Leistungsschwimmer mit Schulterschmerzen erklärt wird. Zu Beginn der Arbeit sollen die anatomischen Grundlagen des komplexen Schultergefüges näher beleuchtet werden, um dem Leser die Grundlage für einweiteres Verständnis zu geben.

Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit den möglichen Ursachen für das Aufkommen eines Impingements und möchte somit einen Überblick über das Spektrum der Entstehungsursachen geben.

Das Kapitel "Diagnostik" soll dem interessierten Leser einen Eindruck über dieMöglichkeiten der Diagnosefindung geben. Es soll ihn weiterhin darüberinformieren, welche Bestandteile diese Vorgehensweise aufweist. Betrachtet man die Biomechanik und die Natur des Schwimmens, eine Sportart, in der die wiederholenden Überkopfbewegungen zum zyklisch ablaufenden Armzugmuster gehören, so hat es den Anschein, dass viele Schwimmer dazu neigen, irgendwann in ihrer Schwimmerkarriere Schulterschmerzen zu bekommen, da diese häufigen Wiederholungen zu Abnutzungserscheinungen und muskulären Dysbalancen führenkönnen. Hier ist besonders die Tatsache zu nennen, dass die Schulter mindestens einmal in einem Schwimmzyklus in eine Position gelangt, die zu einem Impingement führen kann.

Diese anatomischen und funktionellen Faktoren sollen im fünften Kapitel dieser Arbeit aufgezeigt und erläutert werden.

Im darauffolgenden Kapitel wird auf die Notwendigkeit eines kompletten und ausgewogenen schwimmerischen Trainingsprogramms hingewiesen, damit einige der Faktoren, die ein Schulter-Impingement-Syndrom begünstigen, auf ein Minimum reduziert werden können.

Im Anschluss an diese, vorrangig auf Literaturangaben basierende Teile, sollen aufgrund der festgestellten Bedingungen, die zu einem derartigen Verletzungs-bild führen können, verschiedenartige Therapieansätze vorgestellt werden.

Dieses siebte Kapitel beinhaltet zusätzlich abgeleitete Hinweise für Trainer und Aktive.

Im achten Kapitel werden prophylaktische und kompensatorische Maßnahmen aufgezeigt, die für jedermann, sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation, Anwendung finden können. Dieser praxisbezogene Teil kann als Übungssammlung, besonders für Trainer und Aktive angesehen werden, die hier die Möglichkeit haben, neue Aufgaben in ihren Trainingsalltag einzubinden bzw. dieseim Hinblick auf die Symptomatik der Schwimmerschulter zu überdenken. Es wird besonders Wert darauf gelegt, dass möglichst viele Aktive in der Lage sind, die Übungen auszuführen. Aus diesem Grund stehen auch Tätigkeiten, die mit herkömmlichem Material durchgeführt werden können, an erster Stelle, gefolgt von jenen, die einen größeren Geräteaufwand benötigen.

Im Schlussteil der Arbeit wird eine kurze Nachbetrachtung der wichtigsten Ergebnisse vorgenommen und auf eventuell auftretende Probleme bei einem Umgang mit der "Schwimmerschulter" im Trainingsalltag eines Schwimmers hingewiesen.